Der 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 14. November 2009 um 16:42 Uhr

Der 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer wurde u.a. auch in Belgrad auf einem sehr hohen Niveau gefeiert.

Dazu bringen wir Auszüge des Kommentars von Nevenko Škrbić „Deutschland über alles". Der komplette Text ist auf http://www.nspm.rs zu finden.

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Es ist doch natürlich, dass Deutsche sich über ein Ereignis freuen, das die fünfzigjährige künstliche Trennung ihrer Heimat in zwei Staaten beendet hat, eine durch die Betonmauer, Stacheldraht, Mienenfelder und vor allem eine riesige ideologische Kluft entstandene Trennung. Wenn irgendjemand Sympathien dafür empfindet, dann sind es wir Serben. Denn als Bürger des früheren Jugoslawien konnten wir gleichermaßen einfach in beide deutsche Staaten reisen. Wesentlich leichter als viele deutsche Bürger konnten wir deshalb die beiden Staaten als eine Einheit betrachten, weil wir als Volk enorme Anstrengungen unternommen und unendlich viele Opfer bringen mußten, um für die eigenen Landsleute einen gemeinsamen Staat zu schaffen.


Nun ist aber allgemein bekannt, dass das Ereignis, das der Niedergang Jugoslawiens, des gemeinsamen Staates aller Serben, dem aber auch die Mehrheit der Bewohner „des Westlichen Balkan" mindestens einmal die Heimattreue geschworen hat, gerade von jenem Ereignis angeläutete wurde, das gleichzeitig den Aufstieg des vereinigten Deutschland als Säule der nach dem Kalten Krieg entstandenen „Neuen Weltordnung" in dem zukünftigen Vereinigen Europa ankündigte. Auch wenn ich die Tatsache beiseitelasse, dass sich Dutzende Millionen sogenannter „Verlierer der Transition" wegen des durch die aktuelle globale Krise enthüllten völligen Zusammenbruchs des liberal-kapitalistischen globalen Spielplatzes großer Korporationen unter dem amerikanischen Stahlschirm mit Recht nach der Stabilität und sozialer Gerechtigkeit der nichtdemokratischen und autoritären Gesellschaftsordnungen sehnen, von den sie sich vor zwanzig Jahren so leichtfertig verabschiedet haben, erscheint mir der Fall der Berliner Mauer nicht besonders glamourös.

Für das serbische Volk markiert der Mauerfall eine der schlimmsten Zeitspannen im 20. Jahrhundert, in welcher ihm mit Wohlwollen eines großen Teils der Welt alle jene von seinen Vätern und Großvätern mühevoll geschaffenen Errungenschaften unrechtmäßig geraubt wurden. Für das serbische Volk bezeichnet der Fall der Berliner Mauer ein Schlagwort für voreingenommene und gewalttätige Sanktionen, für eine rechtswidrige Zerstückelung von zwei ehemaligen jugoslawischen Staaten und für die Zerstückelung des aktuellen serbischen Staates, für zwei NATO-Angriffskriege, dem Tausende Menschen zum Opfer fielen. Um über die Kriege in Bosnien und Kroatien und die umfassende Parteinahme „der internationalen Gemeinschaft" für die serbischen Gegner in diesen Auseinandersetzungen gar nicht zu sprechen! Die Bilder allgemeiner deutschen Freude beim Niederreißen der Mauer stehen am Beginn einer jeden Sendung, in der Serben für den einzigen europäischen Genozid nach dem Zweiten Weltkrieg (und zwar zweimal!) angeklagt werden. Der Mauerfall ist ein Symbol für „die Normalität" von Resteuropa, das sich „der Zukunft gewandt hat" und die Mauer ist ein Symbol unserer „Nichtnormalität" und „Verdrehtheit", weil „wir uns störrisch nicht damit abfinden wollten, dass es die Berliner Mauer nicht mehr gibt".

Wenn ich mir das vor Augen führe, frage ich mich, was wir da eigentlich gefeiert und für wen wir uns denn gefreut haben?
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